Ténin, die Stärke eines mutigen Herzens

Ténin, die Stärke eines mutigen Herzens

schrieb am 25.03.2025

Im Herzen der Walliser Berge erholt sich eine sechzehnjährige junge Frau die nach einer erfolgreichen Herzoperation, die ihr eine zweite Lebenschance gegeben hat. Ihr Weg, der von Mut und Widerstandsfähigkeit geprägt ist, ist eine echte Lebenslektion.

Eine Reise über die Grenzen hinaus

Weit weg von der Hektik ihrer Heimatstadt Abidjan, lernt Ténin wieder zu träumen. Mit sechzehn Jahren verliess die junge Frau ihre Familie, um eine Reise weit weg von Zuhause zu unternehmen. Dadurch wurde sie von Ihrer Familie getrennt. Hier ist alles anders. Das Land flüstert in einer unbekannten Sprache, weit weg vom familiären Trubel der Strassen der grössten Metropole der Elfenbeinküste. Die Ruhe der Gipfel diktiert ihren langsamen und gemessenen Rhythmus einem Geist, der an den hektischen Rhythmus der Hupen und der aufgeregten Märkte gewöhnt ist. Der Kontrast ist markant. Zu Hause strotzt um jede Ecke Gewürzen, die feurige und farbenfrohe Geschichten erzählen. Hier entdeckt sie subtilere Aromen, die in aller Bescheidenheit offenbaren, wie ein Geheimnis, das man zu zähmen lernt. „Dort esse ich Diula, Maniok und scharfe Saucen. Hier sind die Geschmäcker milder, aber ich passe mich an“, erzählt sie mit einem schüchternen Lächeln.

Als jüngstes von neun Kindern trägt sie eine riesige Liebe und einen Mut in sich, der der Entfernung zu ihrer Familie entspricht. „Ich vermisse meine Eltern sehr, vor allem meine Mutter, zu der ich eine enge Verbindung habe.“ Vor ihrer Abreise in die Schweiz, verbrachte sie einige Momente mit ihr, um die Kraft dieser Präsenz für immer in ihrer Erinnerung zu verewigen. „Wir haben zusammen meinen Koffer gepackt und sie hat mich zum Flughafen begleitet. Bevor sie ging, hat sie mich fest umarmt und gesagt: „Sei tapfer und geduldig, höre auf die Ärzte.“ Diese Worte eingraviert in ihr Gedächtnis wie Beschwörungen, erklingen noch immer in jedem Augenblick in ihr. Sie klammert sich an sie wie an einen Talisman. Sie gaben ihr die Kraft, diese Widrigkeit mit einer Bewunderung gebietenden Reife zu überwinden.

Eine medizinische Prüfung und ein persönlicher Kampf

Seit ihrer Geburt schlägt Ténins Herz anders, geprägt von einer Fragilität, die das Leben ihr auferlegt hat. Eine angeborene Fehlbildung, die, als sie drei Jahre alt war, entdeckt wurde, führte zu einer ersten Operation in Frankreich. Von diesem Ereignis hat sie nur einige vereinzelte Bilder, eingefroren in sorgfältig aufbewahrten Fotografien. Mit ruhiger Stimme erklärt sie, dass ihre Eltern wussten, dass im Alter von 15 Jahren ein weiterer Eingriff erforderlich sein würde.

Am 6. Januar dieses Jahres unterzog sich Ténin in der ruhigen Atmosphäre des Universitätskrankenhauses Genf einer heiklen Operation, bei der ihre Herzklappe durch eine mechanische Klappe ersetzt wurde. „Alles ist erfolgreich gelaufen, aber ich werde Zeit brauchen, um mich an dieses Gefühl zu gewöhnen. Das Geräusch meines Herzens ist jetzt wahrnehmbar, was manchmal beunruhigend ist“, sagt sie mit berührender Aufrichtigkeit. Von nun an ist jeder Pulsschlag ein Echo, das in ihr wie das Ticken einer inneren Uhr widerhallt. Die Zeit vergeht unerbittlich, eingeschrieben in ihren Körper, und bestimmt den Rhythmus einer Existenz zwischen Zerbrechlichkeit und Hoffnung. Diese Schläge sind zu einem geflüsterten Versprechen geworden, zu einer Aufforderung das Leben in vollen Zügen zu geniessen, das Moment, bevor es vergeht zu erfassen, und die flüchtige Schönheit des gegebenen Augenblicks, der ihr geschenkt wird.

Ténins Traum ist, während ihres Aufenthalts in La Maison, klar geworden: sie möchte Kardiologin werden.
Ténins Traum ist, während ihres Aufenthalts in La Maison, klar geworden: sie möchte Kardiologin werden.

„Alles ist gut gelaufen. Ich werde, aber, Zeit brauchen, um mich an dieses neue Gefühl zu gewöhnen. Man hört jetzt das Geräusch meines Herzens, was manchmal verwirrend ist.“

Ténin, 16 Jahre

Eine Widerstandsfähigkeit, die in der Not geschmiedet wurde

Im Krankenhaus, umgeben von fürsorglichen Pflegern, fand Ténin Zuflucht in kleinen, einfachen, aber essenziellen Gesten: ein gütiges Lächeln, eine tröstende Hand auf ihrer und tägliche Ermutigungen, die ärztliche Behandlung nicht zu vernachlässigen. „Die Krankenschwestern haben jeden Morgen meinen Blutdruck gemessen und mich daran erinnert, wie wichtig es ist, meine Medikamente einzunehmen. Ihre ständige Aufmerksamkeit, die beruhigenden Stimmen und unendliche Geduld haben die Wartezeiten in heitere Momente verwandelt. Ich war allein in meinem Zimmer, ich fühlte mich, aber, nie verlassen“, sagt sie.

Sie erinnert sich auch an die unermüdliche Unterstützung von Ramzi und Diogo, Mitarbeitern von La Maison, die ihr in schwierigeren Momenten zur Seite standen. „Ich hatte vor der Operation grosse Angst. Ehrlich gesagt, hatte ich Angst, nicht mehr aufzuwachen. Es ist dumm, aber ich dachte, ich würde sterben, und sie haben mich beruhigt. Nach der Operation kamen sie ständig zu mir, sie redeten mit mir, liessen mich nicht los. Das hat mir wirklich geholfen.“ Sie sprachen auch ehrlich über schwierige Fragen: „Sie sagten mir, es sei schwer für mich, Kinder zu kriegen. Obwohl es schwierig zu hören war, fanden sie die Worte, um mich zu trösten und diese Realität anzunehmen.“

La Maison von Terre des hommes Valais: ein mutiges Refuge

Heute setzt sie ihre Genesung in den beruhigenden Mauern von La Maison fort. In diesem von Menschlichkeit geprägten Umfeld knüpft sie neue Kontakte, passt sich diesem Leben weit weg ihrer Heimat an. Sie teilt ihren Alltag mit anderen Kindern, die ebenfalls aus fernen Ländern um Pflege zu erhalten, gekommen sind. „Die Erzieher werden meine Eltern nie ersetzen. Aber, sie tun und machen alles, um uns zu beruhigen, damit wir uns wie zu Hause fühlen“, sagt sie dankbar.

In La Maison hat sie einen echten Kokon gefunden. Unter den Leuten, die sie im Alltag begleiten, nimmt Anja, ihre Lieblingsbetreuerin, einen besonderen Platz in ihrem Herzen. Sie ist wie eine grosse Schwester! „Sie versteht wirklich, wodurch ich muss.“ Das gesamte Personal, Vania, Carlos, Émilie und Mélanie haben ihr auch Unterstützung und ein offenes Ohr geboten.

Ténin hat auch wertvolle Freundschaften mit anderen Jugendlichen wie Abigael und Nazareth geschlossen. „Wir teilen unsere Geschichten und unsere Schwierigkeiten. Das bringt uns viel näher. Einige sind bereits in ihr Land zurückgekehrt, aber ihr Austausch hat einen dauerhaften Eindruck hinterlassen“, sagt sie mit einem strahlenden Blick der Dankbarkeit.

Hier werden die Tage von einem Mosaik von Aktivitäten gezeichnet, die ihr neue Horizonte eröffnen. Spaziergänge in der Natur, Bastel-Workshops, Schulunterricht sind Gelegenheiten, sich eine neue Perspektive über sich selbst zu verschaffen. Ténin, die unter der ivorischen Sonne aufgewachsen ist, hat sogar zum ersten Mal den Schnee entdeckt, ein Wunder, das sie mit Sternen in den Augen erzählt: „Es war magisch! Ich hatte davon gehört, aber es mit eigenen Augen zu sehen ist etwas anderes!“ Sie ist begeistert, wenn sie an die Spiele im Pulverschnee, das Gelächter und die kindliche Freude beim Schneemannbau mit ihren neuen Freunden denkt.

Zusammen mit ihren Freunden, hat Ténin (ganz rechts), während ihres Aufenthalts in La Maison, zum ersten Mal Schnee gesehen.
Zusammen mit ihren Freunden, hat Ténin (ganz rechts), während ihres Aufenthalts in La Maison, zum ersten Mal Schnee gesehen.

Eine hoffnungsvolle Zukunft

Hinter dieser scheinbaren Fragilität verbirgt sich eine junge Frau, die entschlossen in die Zukunft blickt. „Diese Erfahrung hat mich reifer und stärker gemacht. Ich bin stolz darauf, dass ich den Mut hatte, hierher zu kommen, weit weg von meiner Familie. Es hat mich gelehrt, dass wir zu viel mehr fähig sind, als wir glauben“, sagt sie mit einer für ihr Alter entwaffnenden Weisheit.

Ihre Träume, die früher unklar waren, nehmen heute eine klare Richtung an. „Ich möchte Kardiologin werden“, sagt sie mit Überzeugung. „Ich habe es immer geliebt, mich um meine Lieben zu kümmern, und mein Werdegang hat in mir den Wunsch geweckt, denen zu helfen, die wie ich mit Krankheit konfrontiert sind. Und dann ist es den Ärzten zu verdanken, dass ich behandelt werden konnte. Es ist ein aussergewöhnlicher Beruf.“

Den Menschen, die sie auf diesem mit Hindernissen gespickten Weg begleitet haben, ist sie unendlich dankbar. „Ich werde ihre Freundlichkeit und Unterstützung nie vergessen. Ich danke ihnen von ganzem Herzen.“

Jeder Herzschlag, der jetzt hörbar ist, erinnert sie daran, wie kostbar das Leben ist. Und auch wenn die Entfernung manchmal schwer auf ihr lastet, schöpft sie ihre Kraft aus der Hoffnung, ihre Familie bald wiederzusehen. Nach ihrer Rückkehr wird Ténin von den Erfahrungen, die sie geprägt haben, strahlen. Bereichert durch ihre Reise wird sie einen Hoffnungsschimmer und Träume im Gepäck haben, die nur darauf warten, zu erblühen.

von Valérie Pellissier